Neue Kibisleitung

 

Beim Göttinger Bürgerfrühstück am 26.06.2011 wurde Frau B. Meskemper (mitte) als Leiterin der KIBIS verabschiedet und Frau Kaplaneck (rechts) als neue Leiterin von der 2. Vorsitzenden des Gesundheitszentrum Göttingen , Frau Kristine Weitemeyer, begrüsst.

Barbara Meskemper hat die KIBIS 20 Jahre lang mit ihrer fachlichen Kompetenz und ihrer wertschätzenden Persönlichkeit geprägt. Mir ist bewusst, dass viele von Ihnen ihre überraschende berufliche Veränderung – sie hat die Chance in NRW bei einer größeren Stiftung einen neuen Arbeitsschwerpunkt zu entwickeln – mit der bangen Frage verbinden, ob denn eine Nachfolgerin die Lücke in der KIBIS schließen kann.Ich selbst war auch zunächst bestürzt als sie mir im Mai mitteilte, dass unsere Zusammenarbeit – ich war seit März als Honorarkraft für den Bereich „Förderung der Selbsthilfe nach §45d SGB XI“ zuständig – nun beendet wird. Nach reiflicher Überlegung und auch durch Ermutigung seitens erfahrener KollegInnen habe ich mich zu einer Bewerbung auf die freiwerdende Stelle „Leitung der KIBIS“ beworben.Wir alle wissen, dass man Menschen auch im beruflichen Kontext nicht ersetzen kann, jede/r ist einmalig. Ich werde das, was meine Vorgängerin mir hinterlässt, natürlich nutzen, um Ihnen in gewohnt hoher Qualität die Arbeit der Kontakt- und Beratungsstelle zur Verfügung zu stellen; gleichzeitig werde –und muss! –ich meinen Weg finden und meine eigenen Akzente setzen.



Schlüsselübergabe- Die erste Vorsitzende des Gesundheitszentrum Göttingen, Frau Christina Ziethen, übergibt Frau Kaplaneck den Schlüssel der KIBIS

Seien Sie herzlich eingeladen diese neuen Schwerpunkte und auch mich als Person kennen zu lernen!Ich bin 1970 in Kiel geboren, habe dort nach dem Abitur die Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und dann 10 Jahre im Städtischen Krankenhaus Kiel gearbeitet. 2001 bzw. 2003 wurden unsere Kinder geboren. Nachdem meine Kinder beide einen Krippenplatz erhalten hatten, habe ich mich mit Mitte 30 den Herausforderungen eines Studiums gestellt. Die Mühen dieser Zeit haben sich gelohnt: Ende 2009 konnte ich meine Diplome „Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin“ in den Händen halten.

Dass dies gelingen konnte, ist sicher auch ein Verdienst der Partnerschaft mit meinem Mann, in der gegenseitige Unterstützung und gerechte Verteilung der Familienarbeit eine Selbstverständlichkeit sind. Während des Studiums habe ich mein persönliches berufliches Lebensthema entdeckt: Menschen mit Demenz in der sehr frühen Phasen. Ganz sicher spielt dabei auch meine Biografie eine Rolle: mein Vater erkrankte schon mit Anfang 50 an Alzheimer (da war ich noch nicht mal im Teenageralter); dies konnte aber erst fast 20 Jahre später rekonstruiert werden. Seine „selbst gewählte“ Isolation hat das Familienleben geprägt und ist sicher auch heute noch Motivation für mich, aktuell betroffenen Menschen eine Handlungsalternative zu bieten. Meine Professorin hat mich ermutigt dazu zu forschen: Wie beschreiben die Betroffenen selbst ihre – nach der Diagnose völlig veränderte – Lebenssituation? Welche Art von Unterstützung wünschen sie sich? Nach der theoretischen Bearbeitung dieser Fragen, habe ich die praktischen Konsequenzen daraus gezogen und in Kiel einer der ersten „unterstützten Selbsthilfegruppen für Menschen mit beginnender Demenz“ in Deutschland ins Leben gerufen und bis zu unserem Umzug nach Göttingen begleitet.

Nach der Habilitation meines Mannes im Frühjahr 2010 stand für ihn eine berufliche Veränderung an, die mit einem Ortwechsel verbunden einherging: ihn zog es im Mai letzten Jahres an die Uni Göttingen. Da die Strecke Kiel-Göttingen für eine Familie in unserer Situation zum Pendeln eher ungünstig ist, sind wir zum Schuljahreswechsel alle hierher gezogen. Das war mit einigen „Bauchschmerzen“ verbunden; zum einen da ich glücklicherweise nach Abschluss meines Studiums eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Kiel erhalten hatte, zum anderen da wir als Familie dort in einem großen und sehr unterstützendem Freundschaftsnetz aufgehoben waren. Das aufzugeben fiel mir zunächst nicht leicht.In Göttingen haben wir es allerdings sehr gut getroffen: wir haben eine großzügige Wohnung gefunden mit einem wilden Garten hinterm Haus und einer richtig tollen Hausgemeinschaft. Die Kinder haben Freunde in der Schule und fühlen sich hier gut integriert. insgesamt muss ich Ihnen ein Kompliment machen: die Menschen in Göttingen haben sich zu einem sehr großen Teil als ausgesprochen „neu-bürger-freundlich“ erwiesen.Nachdem alle 150 (!) Umzugskartons ausgepackt waren, habe mich daran gemacht mein berufliches Lebensthema weiter zu bearbeiten: ich habe ein (Fach-) Buch geschrieben zum Thema Menschen mit beginnender Demenz und Selbsthilfepotential und bundesweite Seminare zur Gründung von „unterstützten Selbsthilfegruppen“ gegeben. Außerdem habe ich wie schon in Kiel nun auch in Göttingen eine Gruppe mit dem Namen „Leben mit der Diagnose Demenz“ ins Leben gerufen. Schließlich kam im Winter/Frühjahr 2011 der Kontakt zur KIBIS zu Stande, der Rest ist bekannt (s.o.).

Übrigens: falls Sie sich fragen, ob eine Kielerin wohl die Ostsee vermisst ... meine Antwort ist „nein!!“. Ich bin froh den eisigen Wind, der eigentlich immer an der Förde weht, endlich los zu sein.